
19/2007
Sabine Hofmann
Außenwirtschaftliche Kooperation im Vorderen Orient
Mit der Anerkennung der Regionalisierung als sozialem Prozess und der Einflussnahme globaler Entwicklungsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft auf die Region rückt die Business Community (BC) eines Landes, insbesondere die ökonomische Elite neben dem Staat als Akteur immer mehr ins Blickfeld der Untersuchung. Bezogen auf den Vorderen Orient ist festzustellen, dass neben einer Anzahl von zum Teil nicht staatlichen Großunternehmen ein agiler privater Sektor und zunehmend transnationale Kooperationen angesiedelt sind. Bis-her finden wir allerdings keinen regionalen Zusammenschluss von Unternehmern.
Der Vordere Orient belegt im Globalisierungsranking des Centre for the Study of Glo-balization (CSGR) der Universität Warwick unter acht Regionen der Welt den sechsten Platz, in der wirtschaftlichen Globalisierung den achten. Unbestritten ist der relativ geringe Grad der regionalen wirtschaftlichen Integration und der soziopolitischen Kohärenz, insbesondere nach dem bevorzugt angelegten Normativ der EU. Auf verschiedenen Feldern bestehen allerdings sehr wohl regionale Strukturen und Instrumente. Sichtbar werden vorrangig subregionale Organisationen und Zusammenschlüsse von Akteuren aus arabischen Staaten, etwa der Golfko-operationsrat und die Liga der Arabischen Staaten (LAS) sowie Wirtschaftsvereinbarungen wie das Abkommen von Agadir und die Gründung einer Großen Arabischen Freihandelszone (GAFTA).
Zu derartigen Übereinkünften zählen auch bilaterale Wirtschaftsabkommen und Vereinbarungen. Die strukturellen Verbindungen basieren insbesondere auf den transnationalen Rententransferzahlungen aus Arbeitsmigration und Rohstoffhandel. Die Gemeinsamkeiten wirken angesichts globaler Einflüsse und Zwänge meist stärker als die Eigeninteressen von Staaten, innerarabische Rivalitäten und Machtbestrebungen von Herrscherhäusern. Gleichzeitig verlaufende intraregionale Prozesse, volkswirtschaftliche und politökonomische Strukturveränderungen, Elitenwechsel und Liberalisierungsschritte haben in der Mehrzahl der Staaten zur Auseinandersetzung mit globalen Erscheinungen geführt.
Im Vergleich hierzu kommt Israel mit einer relativ flachen regionalen Verankerung eine besondere Rolle in Nah- und Mittelost zu. Israels Politik, Wirtschaft und Kultur unterscheiden sich strukturell und institutionell von denen seiner Nachbarstaaten. Bis Ende der 1980er Jahre war diese nicht nur analytische Trennung in der Politik dominierend und herrschte auch in der Wirtschaft vor. Wirtschaftliche Kooperation als Ausdruck einer „Nor-malisierung“ der israelisch-arabischen Beziehungen ist in erster Linie ein politisches Problem, weil alle Konfliktseiten die Region durch das Prisma des Nahostkonflikts betrachten. Wie die-ser Konflikt und seine Regelung in letzter Instanz Ausdruck der globalen Imperative sind, so ist auch das Interaktionssystem Israels in der Region Ausdruck dieser Gemengelage.
Warum sollte Israel, sollte die BC in Israel, mit der arabisch-nahöstlichen Seite kooperieren?
Was bietet Israel arabisch-nahöstlichen Akteuren, was diese nicht von anderer Seite erhalten könnten?
ähnliche Veröffentlichungen