Aufsatz, Deutsch, 5 Seiten, KROJER Klinikberatung
Autor: Stefan Krojer
Herausgeber / Co-Autor: Stefan Krojer
Erscheinungsdatum: 12.01.2010
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KROJER Klinikberatung
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Maßnahmen - welche die britische Regierung in den letzten Jahren unternommen hat - um die bekannten Mängel des NHS zu beheben (z.B. Wartelistenproblematik) Einleitung Der „Nationale Gesundheitsdienst“ (NHS) besteht mittlerweile seit 61 Jahren. Seit seiner Gründung hat sich der NHS strukturell grundlegend verändert. Vor allem in den letzten zehn Jahren hat sich viel getan. Die jüngste Reform ('The New National Health Service') wurde stufenweise bis ins Jahr 2000 mit einem von der Regierung erstellten Programm (White Paper) umgesetzt. Die Reformbe-mühungen waren eine Reaktion auf eine immer noch unzureichende Versorgung hinsichtlich Betten und Personal, sowie immens lange Wartezeiten auf Operati-onstermine. NHS-Plan Dieses Programm beschrieb die Mängel des NHS, analysierte die Ursachen für die Fehlentwicklungen und zeichnete die notwendigen Verbesserungen vor. Neben den mangelnden Investitionen nannte der Bericht als Ursachen folgende Punkte
: • das Fehlen nationaler Standards • überaltete Zuständigkeitsabgrenzungen innerhalb des NHS • fehlende finanzielle Behandlungsanreize • eine zu starke Zentralisierung des gesamten Systems • machtlose Patienten • allgemein ein Desinteresse seitens des Managements, von guten Be-handlungsmethoden zu lernen und die Therapien zu verbessern Die wichtigsten Maßnahmen des NHS-Plans waren: • klare Trennung zwischen dem stationären und ambulanten Bereich • flachere Hierarchien innerhalb des NHS • Dezentralisierung der Verantwortlichkeit im Managementbereich • Verantwortlichkeit der Kommunen für die Bereitstellung von Gesundheits-leistungen • Verbesserung der Qualität durch die Festlegung von Standards • mehr Information für PatientInnen • mehr Krankenhäuser und Krankenbetten • mehr Ärzte und Pflegekräfte • kürzere Wartezeiten für Termine in Krankenhäuser und bei Ärzten • sauberere Betten, besseres Essen und Optimierung der sanitären Anlan-gen in den Krankenhäusern • Verbesserte Pflege für ältere Menschen Weitere Maßnahmen vor allem in Bezug auf die Wartelistenproblematik waren: • Formulierung konkreter Zielvorgaben • deutliche Aufstockung der Finanzmittel (zwischen 2000 und 2005/06 um + 70 Prozent) • neues DRG-Vergütungssystem • größere Wahlmöglichkeiten der Patienten • Einkauf privater Klinik-Kapazitäten durch den NHS (2008: rd. 15 % aller elektiven Krankenhausbehandlungen durch private Anbieter) • unabhängige Inspektionen der Krankenhäuser • Einführung eines Rating-Systems („Star-hospitals“) Wirkung des NHS-Plan Mittlerweile hat sich die Situation sehr stark gebessert: Gut zwei Drittel aller Pati-enten werden innerhalb eines Monats behandelt, 95 Prozent innerhalb von acht Wochen. Nur 0,3 Prozent aller Patienten warten länger als drei Monate. Personell hat sich die Situation auch entspannt und die technische Ausstattung hat sich deutlich verbessert. Diese Fortschritte gelangen vor allem durch massive finanzi-elle Investitionen in den jahrzehntelang unterfinanzierten NHS. Während die briti-sche Regierung im Finanzjahr 1997/98 noch 44,7 Milliarden Pfund für Gesundheit ausgab, sind es im letzten Finanzjahr bereits geschätzte 102,6 Milliarden Pfund. Seit 2006/07 erwirtschaftet der NHS Überschüsse. Wartezeiten für die stationäre Behandlung: Der NHS Direct Als letztes Beispiel der vielen Maßnahmen zur Verbesserung des NHS Systems sei der Dienst „NHS Direct“ aufgeführt. Dieser ist ein multimedialer Informations-dienst, der seit 1998 zur Verfügung steht. Leistungen darin sind: • Telefonberatung: 22 Callcenters mit 1.200 speziell für Patientenberatung ausgebildeten Pflegekräften, 24h x 7 Tage verfügbar, 180 Mio Euro Um-satz / Jahr • Internet-Plattform: 18 Mio. € Umsatz/Jahr • Touchscreen Infostellen an 200 öffentlichen Plätzen • 4 Digital TV-Services, insbesondere für ältere Personen • 43 „Walk-In Centers“, offen von 7.00 Uhr - 22.00 Uhr werktags • Selfhelp Guides: 19 Mio. Informationsbroschüren in 2004 verteilt Abschließend kann gesagt werden, dass das NHS in punkto Transparenz, klare Verantwortlichkeiten und Patientenrechte im Vergleich zum deutschen Gesund-heitswesen nicht nur aufgeschlossen hat, sondern uns vielleicht schon überholt hat. Literaturverzeichnis: • BIBA, Universität Bremen: Die Organisation des englischen Gesund-heitswesens, siehe Internet unter http://www.gesundheitspolitik.net/01_gesundheitssystem/ausland/gesundheitssysteme-national/england-de.pdf • Forster, R; Krajic, K.; Nowak, P.; Pelikan, M.J.: „Der Patient im Mittelpunkt“ – Alibi, Vision, Wirklichkeit in Österreich?, Ludwig Boltzmann Institut für Medizin- und Gesundheitssoziologie beim Institut für Soziologie der Universität Wien, PowerPointPräsentation Folie 25, Jour fixe 29.6.2004, siehe Internet unter http://lbimgs-archiv.lbg.ac.at/present/ jf29062004.PDF • Kohlmann, T.:, Moock, J.: Wartezeiten für die stationäre Behandlung, Das Gesundheitssystem II: USA und UK, Folie 17, Vorlesung WS 2008/2009, Institut für Community Medicine Universität Greifswald, siehe Internet unter http://www.medizin.uni-greifs-wald.de/icm/fileadmin/user_upload/lehre/Med_Soz_System_2_2008.pdf • Matk, S.: NHS – the next stage, veröffentlicht in: Magazin „am puls“, 13.02.2009, siehe Internet unter http://www.ampuls-maga-zin.de/artikel.php?id=339&kat=Kompakt&kat_int=kompakt&kat_id=5&titel=NHS+%96+the+next+stage • Schölkopf, M.: Skript „Gesundheitssystem Großbritannien (England)“, HWR Berlin, Seite 15, 2009 Autor: Stefan Krojer Mehr unter www.krojer.de