Expertentipp für Führungskräfte: Vom Stressfaktor zum Stresspuffer

Expertentipp für Führungskräfte: Vom Stressfaktor zum Stresspuffer

Expertentipp für Führungskräfte: Vom Stressfaktor zum Stresspuffer

Beitrag, Deutsch, 3 Seiten, Horizont

Autor: Anke von Platen

Erscheinungsdatum: 30.04.2009


Quelle: HORIZONTJobs - Karriereportal für Marketing, Werbung und Medien

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Expertentipp Anke von Platen: Führungskräfte in Agenturen: vom Stressfaktor zum Stresspuffer

Gerade Agenturen brauchen Mitarbeiter, die engagiert, kreativ und belastbar sind. Der gesunde Umgang mit Stress wird immer wichtiger. Führungskräfte nehmen hierbei eine Schlüsselrolle ein. Sie können ihre Mitarbeiter entlasten. Häufig sind sie aber selbst Stressfaktor, indem sie zum Beispiel ihre Mitarbeiter schlecht briefen.

   
Führungskräfte sind für das Mitarbeiterengagement verantwortlich

Jährlich untersucht das Gallup-Institut die Mitarbeiterbindung. Demnach haben nur 13 Prozent der Arbeitnehmer eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber. Der Rest ist demotiviert oder hat innerlich gekündigt. Die Folgen sind vor allem für Agenturen gravierend: Kreativität und Innovationskraft sinken. Der Studie und eigenen Erfahrungen zu Folge sind die Probleme jedoch hausgemacht. Gerade in Agenturen ist die Personalführung oft mangelhaft. Gewonnene Etats und Awards, die neuesten Kreationen – das sind Themen, die das Agenturherz begehrt. Häufige Krankheiten, Burn-Out oder Demotivation werden dagegen gern verschwiegen. Dabei ist Gesundheit eine Managementaufgabe – gerade in Agenturen.


Die ehrliche Reflektion und Optimierung des eigenen Führungsverhaltens ist besonders wichtig. Einfache Fragen helfen, den eigenen Führungsstil zu reflektieren und zu optimieren.

 

Tipp 1: Reflektieren Sie Ihr Führungsverhalten

Angestellte mit Personalverantwortung sollten sich folgende Frage stellen:
„Was wirkt an meinem Führungsstil entlastend auf meine Mitarbeiter? Was wirkt eher belastend?“
(z. B. Arbeitszeiten, Selbstorganisation, Pausen, Meetingorganisation, klare / unklare Kommunikation, Berechenbarkeit, Erwartungen)


Ein Beispiel aus der Praxis zeigt Antworten auf:
Zwei Agenturen haben am nächsten Tag um 11:00 Uhr eine Wettbewerbspräsentation.
Chef „Chaos“ gibt Mitarbeiter A um 19:00 Uhr Feedback. „Also Dein Layoutansatz gefällt mir gar nicht. … Morgen früh um 9:00 Uhr möchte ich einen neuen Entwurf sehen.“ Chef „Chaos“ steht genervt auf, schüttelt beim Weggehen den Kopf. Wie fühlt sich Mitarbeiter A? Hilflos, verzweifelt, wütend, gestresst. Das Ohr fängt an zu rauschen. Er sagt seine privaten Termine ab. Um 2:00 Uhr morgens hat er den Entwurf fertig gestellt.
Chef „Chaos“ gibt Mitarbeiter B schon um 15:00 Uhr das Feedback „Ich verstehe Deinen Ansatz und finde ihn gut gelöst. Aber wie kannst Du noch mehr herausstellen, dass der Produktvorteil die sahnige Konsistenz ist?“ Mitarbeiter B fühlt sich gut. Er hat ein nachvollziehbares Feedback und ein klares Ziel erhalten. Um 16:30 Uhr fängt er mit der Anpassung an. Zur Tagesschau ist er zu Hause.
Chef „Orga“ hat den Stress für seinen Mitarbeiter abgepuffert. Chef „Chaos“ ist zum Stressfaktor geworden.

 

Tipp 2: Sorgen Sie für Klarheit, Machbarkeit und Bedeutsamkeit

Mitarbeiter sind engagiert, wenn sie ihre Arbeitssituation als stimmig empfinden. Dies ist der Fall, wenn ihre Aufgaben klar, machbar, und bedeutsam sind.
   
Folgende Fragen prüfen das eigene Führungsverhalten:

  1. Klarheit: Wie habe ich dafür gesorgt, dass sich meine Mitarbeiter die Situation und Zusammenhänge erklären können?
  2. Machbarkeit: Wie habe ich dafür gesorgt, dass meine Mitarbeiter über alle Ressourcen verfügen, um die Herausforderungen zu bewältigen?
  3. Bedeutsamkeit: Wie habe ich dafür gesorgt, dass meine Mitarbeiter wissen und spüren, dass sich ihr Engagement lohnt und den Sinn der Herausforderung erkennen?

Weitere Anhaltspunkte für ein stimmiges Führungsverhalten und damit auch für ein konstruktives und kreatives Arbeitsklima gibt die Checkliste.

 

Tipp 3: Sorgen Sie gut für sich selbst

Nur wer sich selbst wohl und gesund fühlt, kann auch gut für andere sorgen. Leistungsträger sollten sich regelmäßig die Frage stellen: „Wie sorge ich für mich? Wie geht es mir wirklich?“ Laut dem Gesundheitsmonitor 2008 fühlen sich vier von zehn Führungskräften ausgebrannt, emotional und körperlich erschöpft. Sich die Erschöpfung einzugestehen, ist der erste Schritt. Danach helfen Abstand und ein klarer Blick von außen gemeinsam mit einem Spezialisten. Dadurch können individuelle Stress- und Persönlichkeitsmuster erkannt werden. Darauf aufbauend sollten verschiedene Aspekte des gesunden Selbstmanagement individuell auf den Kunden abgestimmt werden. Bewährt hat sich das „STRANDKORB-PRINZIP“. Diese Methode verbindet typgerechte Ernährung und Regeneration mit Kommunikation und Selbstorganisation. Dabei werden die einzelnen Bausteine speziell auf den Kunden abgestimmt. Durch die Individualität lassen sich die Symptome schnell und nachhaltig reduzieren. Die Erfahrung zeigt, dass Führungskräfte dadurch ihre Stresssymptome um mehr als 60 Prozent senken konnten.

   
Fazit

Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz mit den Herausforderungen des Agenturlebens zu verbinden, ist ein komplexes Projekt. Das gilt für Führungskräfte als Individuen ebenso wie für die gesamte Unternehmung. Eine kreative Lösung für eine Kampagne zu finden erscheint vielleicht einfacher, als seinen Führungsstil und die eigene Gesundheit zu optimieren. Das Ergebnis ist jedoch mehr wert als jeder Award. „Keine Zeit“ ist eine beliebte Ausrede. Aber der Agenturalltag bietet ebenso wenig Zeit, krank zu sein.

 
Checkliste: Sorgen Sie für Stimmigkeit in der Agentur

  
Machbarkeit - Ziele sind realistisch,erreichbar und konkret formuliert

  • Deutliche Kommunikation der Erwartungen an die Mitarbeiter
  • Klare Rollenverteilung, die allen bekannt ist
  • Aussagekräftige Briefings
  • Erreichbarkeit der notwendigen Personen (Chef/Kontakter/etc.)
  • Alle notwendigen Arbeitsmittel sind vorhanden
  • Angemessene Arbeitsplatzausstattung (Platz, Licht, Ergonomie)
  • Die Mitarbeiter werden gemäß Ihrer Stärken eingesetzt
  • Zeit zum Erholen, ausreichend Pausen


Klarheit - Klarheit in der Geschäftsführung über die Strategie, Agenturziele
und -werte

  • Strikte Ausrichtung des Tages- und New-Business-Geschäfts an den Agenturzielen
  • Regelmäßige Information der Mitarbeiter über die Ziele und den Grad der Zielerreichung
  • Eindeutige Regeln für die Kommunikation und Organisation (z.B. Meetings)


Bedeutsamkeit - Wertschätzende Kommunikation

  • Ehrliche Feedbacks
  • Erreichbarkeit und Zeit der Führungskräfte für ihre Mitarbeiter
  • Ein offenes Ohr, die Meinung der Mitarbeiter zählt
  • Möglichkeit zur Weiterentwicklung