
Die deutschen Städte haben im letzten Jahrhundert mit zahlreichen Problemen zu kämpfen.
Vielerorts werden große Teile der Bausubstanz durch den Zweiten Weltkrieg zerstört. Nach dem Krieg folgt in den westlichen Bundesländern der wirtschaftliche Aufschwung. Im Osten hingegen behindern Planwirtschaft und Sozialismus die Genesung. Beide Seiten steuern in den Zeiten des Kalten Krieges dem politischen Umbruch entgegen. Unter dessen Folgen leidet die gesamtdeutsche Wirtschaft. Vor allem die ostdeutschen Städte kämpfen mit Bevölkerungsverlusten – viele von ihnen haben sich bis heute nicht davon erholt. Diejenigen, die diesen Trend umkehren wollen, nutzen vorhandene Potentiale, um dem nationalen und internationalen Wettbewerbsdruck standzuhalten.
Im Laufe der Zeit wandelt sich unsere Gesellschaft zu einer Informations- und Wissensgesellschaft. Das Internet sowie moderne Telekommunikation halten Einzug in den privaten und wirtschaftlichen Bereich. Neue Kommunikationstechnologien lassen räumliche Entfernungen bedeutungslos
werden. Dies gilt insbesondere für den Trend zur Projektarbeit, die immer wieder die Zusammenstellung neuer Teams erfordert. Dabei ist es vor
allem die Internationalität der Wissensträger, welche die Innovation und Invention innerhalb eines Projektes begünstigt. Soziale Netzwerke wachsen und dehnen sich über nationale Grenzen hinweg aus.
Die Akteure der Wissensgesellschaft werden fortwährend mit einer Flut von Informationen konfrontiert. Diese gilt es zu verarbeiten und zu systematisieren, um sie anschließend ökonomisch verwertbar zu machen.
Wissensinstitute nutzen die Chance, die sich aus der globalen Kommunikation und der Verfügbarkeit von Wissenspotentialen ergeben, um Forschung und Entwicklung voranzutreiben und sich dem internationalen Wettbewerb zu stellen. Sie sind Anziehungspunkt für nationale und internationale
Wissensträger und Brutstätte für die Entstehung und Ansiedlung innovativer Unternehmen.
Städte, die dieses Potential erkannt haben, schaffen Anreize, um diese Entwicklung zu stärken und die Entstehung von Wissensmilieus zu fördern. Ziel ist es, die gesellschaftliche Wohlfahrt zu maximieren und als Wissensstandort nationale sowie internationale Wettbewerbsvorteile zu erlangen.
Metropolen, wie z.B. Berlin und München, ist es gelungen, durch urbane sowie suburbane Agglomerationen wissensintensiver Institutionen und das Vorhandensein von Wissensmilieus zur „Knowledge City“ aufzusteigen.
Sie profitieren zum Einen von der Vielfalt der Universitätslandschaft, zum Anderen von vorhandenen Flächenpotentialen, die Entfaltungsmöglichkeiten für Wissensinstitutionen und innovative Unternehmen bieten.
Aber auch kleinere Städte können die Vorteile lokaler Wissensmilieus
nutzen. Entscheidend hierfür ist das Selbstverständnis der Stadt als
Wissenschaftsstandort. In Kombination mit geeigneten Strategien zur
Flächennutzung sowie zur Vernetzung der Teilsysteme Wirtschaft, Wissenschaft und Stadt, ist der Weg zur Knowledge City realisierbar.
Der Stifterverband der deutschen Wirtschaft hat diesen Trend erkannt. Um für die potentiellen Knowledge Cities Anreize zu schaffen, ihre Bemühungen zu intensivieren, schreibt der Verband seit dem Jahr 2005 den Wettbewerb „Stadt der Wissenschaft“ aus. Jährlich wird eine Stadt als Sieger des Wettbewerbs mit finanziellen Mitteln und dem Titel „Stadt der Wissenschaft 200x“ gefördert. Die im Rahmen der Bewerbung initiierten Projekte profitieren von den finanziellen Handlungsspielräumen. Die Stadt rückt in den Fokus nationaler sowie internationaler Aufmerksamkeit.
Im Rahmen des Wissenschaftlichen Kollegs werden grundlegende Theorien vermittelt, welche die Bedeutung des Wissens für die Stadt im Wandel der Wissensgesellschaft verdeutlichen. Die Bewertungskriterien des Wettbewerbs „Stadt der Wissenschaft“ werden im Anschluss auf einen Vergleich zweier Städte übertragen. Durch diesen offenbaren sich die Vorteile
wissensbasierter Stadtentwicklungsstrategien zum Aufbau einer
Knowledge City.