Standortindikatoren I.
Standortindikatoren I.

Standortindikatoren I.

Sensoren am Standortpuls

Buch, Deutsch, 376 Seiten, BoD Books on Demand GmbH

Autor: Jörg Becker

Erscheinungsdatum: 2010

ISBN: 3839118239


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Das Zahlenkleid eines Standortes muss vielen Anforderungen und Wünschen gerecht werden. Als da wären:

- Es soll ein möglichst zeit- und wirklichkeitsnahes Abbild zu vielfältigen und komplexen Sachverhalten abgeben
- Es soll möglichst transparent und nachvollziehbar sein, um als breite Kommunikations- und Diskussionsplattform die     Vorbereitung von oft kontroversen Standortentscheidungen unterstützen zu können
- Es die Basis für Vergleiche mit anderen Standorten bereitstellen
- Es soll Entscheidungs- und Informationshilfe für Ansiedlungsinteressierte gleichzeitig sein
- Es soll potentielle Investoren aufmerksam machen und für den Standort einnehmen

Die Liste ließe sich durchaus verlängern. Mit einem Wort: es geht für den Standort um die richtige Justierung seines Navigationssystems. D.h. um Arbeitsinstrumente, ohne die ein Standort auf Dauer nicht steuerungs- und wettbewerbsfähig sowie letztlich wohl auch nicht überlebensfähig wäre. In diesem Buch werden hierfür als erste Ausgangsbasis Vorarbeiten dargestellt. Dabei geht es nicht um direkt verwendbares oder gar aktuelles Datenmaterial oder um konkrete Standorte, sondern lediglich um eine Sammlung und Vorauswahl von Indikatoren, die im individuellen Anwendungsfall noch zu vervollständigen und entsprechend aufzubereiten wären. Es sind somit lediglich Demo-Beispiele mit der Aufgabe Hinweise zu geben, warum und wie Standortindikatoren gegebenenfalls in eine umfassende, in sich immer abstimmfähig bleibende Systematik eingebettet werden könnten. Als Ausgangspunkt muss Klarheit darüber bestehen, an welchen Stellen eines Standortes man überhaupt Sensoren anlegen will. Erst wenn heraus gearbeitet wurde, was man überhaupt an Messungen benötigt, kann das Augenmerk auf das „Wie“ gerichtet werden. Im Vordergrund stehen dabei folgenden Aspekte:
- Grundsätzliche Verfügbarkeit von Indikatoren
- Wie aktuelle und zeitnah sind die jeweils verfügbaren Indikatoren
- Lassen sich die verfügbaren Indikatoren lückenlos zu Zeitreihen verknüpfen, um gegebenenfalls Entwicklungen ablesen zu können
- In welchen Form können Einzelfaktoren zu besser verarbeitbaren Übersichts- und Gesamtindikatoren gebündelt werden
- In welcher Form sind für den Standort Deutschland verfügbare Indikatoren auf die Ebene von Bundesländern, Regionen, Kreisen, Großstädte, Kommunen, Stadtteile oder einzelne Wirtschaftszweige übertragbar
- An welchen Stellen sollte auf einer niedrigeren Stufe der Aggregation Sondererhebungen durchgeführt werden
- Gibt es für Indikatoren Normierungsverfahren, um eine Vergleichbarkeit von Standorten zu gewährleisten
- Wie wird eine Gewichtung von Faktoren sichergestellt
- Welche Verfahren zur Berücksichtigung von individuellen Gewichtungsanforderungen sollten angewendet werden
- Mit welchem System können Indikatoren in ihrer Relation zueinander einheitlich gehandhabt werden.

Verantwortliche für Standorte wie Standortanalysten in Unternehmen wären gut beraten, eine eigene Indikatorkompetenz mit einem zeitnah aktualisierten Daten- und Informationspool einzurichten.
- Grundsätzliche Handhabung von Indikatoren
- Eine Standortbilanz als Maß aller Dinge
- Orientierung mit Profilen und Ampeln
- Indikatorsammlung als Grundlage
- Künftige Bevölkerungsdynamik
- Natürlicher Saldo
- Migrationshintergrund
- Bevölkerungspotential
- Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner
- Erwerbsquote
- Haushaltseinkommen
- Konjunkturerwartungen Industriezweige
- Investitionen in der Industrie
- Förderquote
- Infrastrukturförderung
- Bevölkerung nach Bildungsabschlüssen
- Verbrechen und Vergehen nach Deliktgruppen
- Straftaten und Aufklärungsquote
- Kriminalitätssorgen und –furcht
- Zufriedenheit mit lokaler Polizeiarbeit
- Arztdichte
- Krankenhausbetten
- Pflegeheime
- IHK-Familien- und Demographieatlas
- Teilzeit-, Frauenbeschäftigtenquote
- Kita-Plätze
- Versorgungsquote für unter 3-Jährige
- Bevölkerungswachstum Gemeinden
- Jugend- und Altersanteil
- Wanderungssaldo Familien und Senioren
- Verschuldung pro Kopf
- Jugendarbeitslosenquote
- Kommunale Sachinvestitionsquote
- Kommunale Schuldenquote
- Hessen im Fernverkehrsnetz
- Hessen im Bundesautobahnnetz
- Verkehrsflughäfen
- Schienennah-, Omnibuslinienverkehr
- Güterverkehr
- Luftverkehr
- Messeplatz
- Handwerksbetriebe
- Ausländische Direktinvestitionen
- Patentanmeldungen
- Arbeitslosenquote
- Langzeitarbeitslosigkeit
- Jugendarbeitslosigkeit
- Krankenhäuser Hessen
- Vorsorge- u. Rehabilitationseinrichtungen
- Unternehmensinsolvenzverfahren
- Gewerbeanzeigen
- Bevölkerung nach Lebensformenkonzept
- Steuereinnahmen Hessen
- Schuldenstand Hessen
- Lohn- und Einkommensteuerpflichtige
- Finanzen der Gemeinden
- Kommunale Steuerkraft
- Bildungsmonitor-Länderindex
- Bildungsindikatoren-Liste
- Rangliste Bildungssysteme
- Bildungscheck Bundesländer
- Berufliche Bildung, Arbeitsmarktorientierung
- MINT-Förderung
- Schulqualität
- Schulabgänger mit Hochschulreife
- Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss
- Ausbildungsplätze
- Bautätigkeit Wohnungen
- Bautätigkeit Ein- u. Zweifamilienhäuser
- Fremdenverkehr
- Gewerbesteuer
- Gründungsaktivität
- Indikator-Themenbereich Bevölkerung
- Wanderungssaldo
- Bevölkerungsveränderung
- Indikator-Themenbereich Erwerbstätigkeit
- Arbeitsplatzdichte
- Erwerbstätige Dienstleistungsbereich
- Beschäftigtenquote
- Indikator-Themenbereich Industrie
- Investitionen
- Bruttoentgelte
- Indikator-Themenbereich Tourismus
- Durchschnittliche Aufenthaltsdauer
- Übernachtungen je Einwohner
- Indikator-Themenbereich Verkehr
- PKW-Dichte
- Indikator-Themenbereich Innovation und Forschung
- Patentanmeldungen je 100.000 Einwohner
- De-Domains je 1.000 Einwohner
- Gerüst des Standortgeschehens
- Vergleichsmethodik mit Gewichten
- Wirkungsmethodik nach Stärke und Dauer
- Potentialmethodik mit Handlungsempfehlungen

Trotz noch so umfassender und detailreicher Standortanalysen wird es auch Planungs- und Entscheidungsprobleme geben, für die der Detailgrad der zur Verfügung stehenden Indikatoren nicht ausreichend wäre und deshalb ausgewählte Einzelfaktoren zum Gegenstand umfangreicher Sonderanalysen gemacht werden müssen. Wenn aber der Standort-Bildschirm zielgenau auf bestimmte Einzelaspekte ausgerichtet und „gezoomt“ werden soll, muss dabei trotzdem zu jeder Zeit der systematische Gesamtzusammenhang gewahrt bleiben. D.h. nach wie vor sollten alle Standortfaktoren durchgängig in ihren Bewertungen, Messungen, Wirkungsbeziehungen und Auswertungen abstimmfähig gehalten werden.

Die rechnerische Auswertung von zahlreichen Einzelindikatoren wird erst dann fruchtbringend, wenn sie zu Kennzahlenbündeln führt, die standortrelevante Informationen sinnvoll ordnen. Indikatorbündel haben die Aufgabe, die Spitzenkennzahlen des Systems analytisch bezüglich der sie dimensionierenden Einflussgrößen zu erklären. Indikatorsysteme sind somit vor allem Mittel-Zweck-Beziehungen, die aus dem Planungssystem des Standortes abzuleiten sind. Das wichtigste Element des Indikators aber bleibt sein Informationscharakter, um auch komplizierte Tatbestände in konzentrierter Form quantifizieren und in Relation zu dynamischen Vernetzungen setzen zu können.

Haben sich die Akteure erst einmal zu einer abgestimmten Strategie für die Entwicklung ihres Standortes durchgerungen, stehen sie vor der komplexen Aufgabe, dass zwar trotz formulierter Zielvorstellung dazu noch keine entsprechende Zielevaluation vorhanden ist. In diesem Fall würde der Standort ohne Kompass oder geeignete Feedback-Instrumente losziehen und daher auch nicht wissen, wie viel des Weges bereits zurückgelegt wurde und wo genau man nun eigentlich steht. Die Einflussfaktoren werden deshalb mit Indikatoren belegt. D.h. die Einflussfaktoren werden mit unabhängigen Zahlen/Fakten beschrieben, um ihre Aussagekraft noch zu erhöhen. Anhand der Indikatoren können auch Externe nachvollziehen, nach welchen Kriterien die einzelnen Kapitalarten des Standortes bewertet wurden. Mit Hilfe der Indikatoren bleibt die Bewertungsgrundlage über Jahre hinweg transparent und kann jederzeit mit aktuellen Auswertungen verglichen werden.
 
 
 

Jörg Becker

DE, Friedrichsdorf

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