
Deutschland ist kein klassisches Gründerland. Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Zahl der Existenzgründungen niedrig. Zwar gibt es vielfältige und teilweise umfangreiche Angebote, mit denen Gründer unterstützt und begleitet werden; eine hervorragende Plattform ist zum Beispiel das Existenzgründungsportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Trotzdem setzt sich nur ein kleiner Teil aller Unternehmensgründungen — weniger als 20 Prozent — langfristig am Markt durch. Unternehmensgründung ist kein gesellschaftliches Top-Thema. Im Fokus der medialen und der öffentlichen Diskussion stehen meist große, etablierte Unternehmen und ihr Top-Management. Enterpreneure, die mit ihren Konzepten und ihrem Engagement den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, besetzen nicht die Schlagzeilen. Gründer finden zwar Rat und Unterstützung, nicht aber gesellschaftliche Akzeptanz, Verständnis und Vertrauen für ihre unternehmerischen Vorhaben. Unternehmerisches Engagement stößt gerade in der Aufbauphase häufig auf Skepsis. Hinzu kommt: Staatlicher Einsatz für Gründer wird oftmals durch fehlende Flexibilität und strenge Regelungen anderer staatlicher Einrichtungen, etwa der Finanzbehörden, zunichte gemacht.
Zweifellos brauchen wir eine andere Gründerkultur in Deutschland. Drei Aspekte stehen dabei im Vordergrund:
Wir brauchen in allen gesellschaftlichen Bereichen Akzeptanz, Offenheit und Verständnis für Gründer, ihre Konzepte und Vorhaben.
Unternehmerisches Denken und Handeln gilt nicht nur für Unternehmer. Auch Mitarbeiter auf jeder Führungsebene in Unternehmen sollten sich unternehmerisches Denken und Handeln zu eigen machen. Das setzt eine offene Unternehmenskultur voraus, die eine solche Haltung zulässt und fördert.
Oftmals sind Top-Managemententscheidungen in großen Konzernen eher von persönlichen Interessen oder spezifischen Stakeholderanliegen geprägt als von unternehmerischem Denken. Unternehmerisches Denken ist stets auf langfristige Wertentwicklung des Unternehmens und nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtet. Unternehmerisches Denken ist stets nachhaltig und auch von der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, den Geschäftspartnern und der Gesellschaft geprägt.
Unternehmerische Fragestellungen müssen sich im gesellschaftlichen Dialog widerspiegeln. Unternehmerisches Denken heißt auch: die richtigen Fragen stellen. Wie können bestimmte unternehmerische Entscheidungen auf Dauer erfolgreich sein? Mit welchem Mehrwert und Nutzenversprechen kann man Kunden begeistern? Welche gesellschaftlichen Konsequenzen haben bestimmte unternehmerische Entscheidungen?
Unternehmerisches Denken muss trainiert und schon in jungen Jahren gefördert werden. Enterpreneurship sollte sich im Unterrichtsangebot der Schulen wieder finden, wie es beispielsweise Günter Faltin gefordert hat. Wertvoll sind Engagements wie die des internationalen Networks for Teaching Enterpreneurship (
Unternehmerisches Denken heißt auch, nicht nur die Risiken von Gründungen zu sehen, sondern die Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten. In vielen Menschen, besonders bei Hochschulabgängern, schlummert der Wunsch nach einer selbstständigen Tätigkeit als Alternative zum Angestellendasein. Es sollte als gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachtet werden, die Motivation zu konkretem unternehmerischen Handeln zu stärken und mehr Menschen bei der Ausarbeitung von Unternehmensideen zu tragfähigen Unternehmenskonzepten zu begleiten.
Es gibt zweifellos viele hervorragende Betreuungsangebote für Gründer in Deutschland. Allerdings sind viele auf bestimmte Zielgruppen (zum Beispiel Studienabgänger) oder auf bestimmte Bereiche wie etwa technische Innovationen ausgerichtet. Was weitgehend fehlt, sind Angebote einer zielgerichteten individuellen Betreuung in der Aufbauphase und bei der Weiterentwicklung von Unternehmenskonzepten, die exakt auf die jeweiligen Bedürfnisse der Gründer zugeschnitten sind. Solche Angebote gibt es beispielsweise in England und den USA.
Besonders vorbildlich ist das Angebot der The Enterpreneur University in San Diego, die ein hervorragendes, praxisorientiertes Schulungsangebot für Gründer kostenlos und uneigennützig anbietet. Anspruch und Haltung dieser Institution würde, auf Deutschland übertragen, der Gründerszene einen deutlichen Impuls verleihen.
Hinweisen möchten wir auch auf die Angebote der Kauffman Foundation (www.enterpreneurship.org und www.kauffman.org), die sich in umfassender Form mit konkreten Unterstützungs- und Bildungsangeboten für Enterpreneure einsetzt.
Mit einer serviceorientierten und gründer- und unternehmerfreundlichen Infrastruktur würden der nachhaltige Erfolg von neuen Unternehmenskonzepten verbessert werden. Dafür setzen wir uns ein.
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