Clean Label Pro & Kontra
Clean Label Pro & Kontra


Dipl.-Oec. Michael Gusko

Clean Label Pro & Kontra

Ausbildung / Lehrgang

Referent: Michael Gusko


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Sprache: Deutsch

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Preis: k. A.

„Zurück zur Natur“ heißt der Trend, der die Lebensmittelindustrie seit Jahren beherrscht.  Was sind die Hintergründe? Der Verbraucher wird zunehmend sensibler gegenüber dem, was er isst. Die Zutatenliste wird genauestens analysiert, bevor das Produkt in den Einkaufswagen gelangt. So natürlich wie möglich, aus der Region und am besten vom Bauernhof nebenan sollten heutige Lebensmittel sein. Natürliche Lebensmittel sind für den Verbraucher ein Synonym für Gesundheit, synthetische Inhaltsstoffe werden als ungesund empfunden.
 
Kein Wunder, dass immer mehr Lebensmittelproduzenten dem „Clean Label“-Trend folgen und ihre Produkte mit einer „sauberen“ Zutatenliste, also ohne Zusatzstoffe, anbieten. Eine Schwierigkeit der Naturauslobung stellt der Mangel an Klarheit bzgl. der Definition von „natürlich“ dar. Der Begriff „natürlich“ ist in der Lebensmittelgesetzgebung nicht definiert. Lediglich Aromen werden EU-weit in natürliche, naturidentische oder künstliche Aromastoffe unterteilt. Erste Gerichtsurteile stellen jedoch fest, dass nicht nur die Zutaten natürlichen Ursprungs sein müssen, sondern sie müssen auch möglichst „natürlich“ bzw. „naturnah“ produziert werden, um eine Irreführung des Verbrauchers zu vermeiden.
 
Die Konsequenzen dieses wegweisenden Urteils sind gravierend. Wer als Lebensmittelhersteller die Natürlichkeit seiner Produkte herausstellen möchte, muss nicht nur aus der Natur stammende Rohstoffe einsetzen, er muss darüber hinaus auch prüfen, ob die Herstellungsmethode vom Verbraucher als natürlich wahrgenommen wird. Die KAMPFFMEYER Food Innovation GmbH hat deswegen eine Studie in Auftrag gegeben um festzustellen, welche Herstellungsverfahren als natürlich eingeschätzt werden. Das Ergebnis in der Kurzzusammenfassung: Prozesse, die einfach zu verstehen sind und evt. vom Verbraucher selbst angewendet werden, wie z. B. Kühlen, Backen, Kochen, Mahlen oder Trocknen, werden als natürlich bewertet. Nicht natürliche Herstellungs- und Konservierungsprozesse sind dagegen die Bleichung, die Zugabe von Konservierungsstoffen oder die Bestrahlung (z.B. von Gewürzen). Die Engländer nennen diesen Trend „cupboard cooking“ („Küchenschrank-Kochen“). Alle Zutaten, die der Verbraucher von zu Hause aus kennt werden als besonders natürlich eingestuft. E-Nummern und chemische Modifizierungen kennt er weder als Zutat noch als Veredelungsverfahren – sie sind ihm suspekt.
 
Die Lebensmittelindustrie und das backende Handwerk stehen vor einer großen Herausforderung. Die Entscheidung ein Produktsortiment auf „clean labeling“ umzustellen stellt nicht nur einen gravierenden  Eingriff in gelernte Denkstrukturen dar, sondern verursacht auch viel Arbeit.

Michael Gusko

DE, Hamburg

Managing Director

GoodMills Innovation GmbH

Publikationen: 12

Veranstaltungen: 3

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