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Wovon ist der Goldpreis abhängig?

Karatbars erklärt die vielfältigen Einflussfaktoren

 

Viele Deutsche schauen auf den Goldpreis. Lohnt es sich noch, einzusteigen? Soll ich vielleicht warten? Habe ich bereits Gewinn gemacht, sind hier naheliegende Fragen. Gold ist dabei kein klassisches Anlageobjekt. Viele Käufer wollen vor allem den traditionellen Währungen entkommen und ihr Geld so sicher verwahren. Paradox, dass Gold dann ausgerechnet in eben diesen Weichwährungen, die beliebig vervielfältigt werden können, bewertet wird – offiziell in Dollar und davon abgeleitet in Euro. Wovon aber ist der Goldpreis überhaupt abhängig? Harald Seiz, CEO und Gründer von Karatbars International, klärt auf.

„Aus Sicht von Anbietern und Käufern laufen im Gold verschiedene Eigenschaften zusammen: Gold ist Rohstoff und muss zunächst gefunden, gewonnen und später aufbereitet werden. Erst nach einem aufwändigen Prozess können Kunden Barren, Karatbars oder eine Krügerrand-Münze in den Händen halten. Damit ist es auch ein Produkt“, beschreibt es Seiz. Daneben dient Gold der Wertaufbewahrung und Währungsreserve von Staaten, Zentralbanken und Privatleuten und ist Ersatzwährung. Die Hälfte des umgesetzten Goldes wird gar als Schmuck in Form von Ringen, Armreifen oder Ketten am Körper geführt und es erfüllt auch industrielle Funktionen. Viele verschiedene Gründe also, Gold am Markt zu handeln und das Edelmetall nachzufragen.

Wie bei allen Rohstoffen und Erzeugnissen spielen Angebot und Nachfrage eine wichtige, wenn auch hier nur eine Rolle. Der Karatbars-CEO erklärt: „Das Angebot ist einerseits limitiert durch die schiere Existenz und die Kenntnis von Lagerstätten. Zudem kann Gold, selbst wenn es geortet ist, nicht mal nebenbei gehoben oder geschürft werden. Das schränkt das Angebot ein.“ Gleichzeitig schlummern enorme Massen in den Tresoren und Verwahreinrichtungen der Zentralbanken, darunter im berühmten Fort Knox. Diese Reserven können rein technisch gesehen, jederzeit auf den Markt geworfen werden. Freilich geschieht dies nur in begrenzten Mengen, da es sofort einen unerwünschten Preisverfall geben würde. Daher verkaufen Zentralbanken, Staatsfonds und Finanzorganisationen, die zusammen rund 34.000 Tonnen Gold besitzen, das Edelmetall nur in geringem Umfang – und bis zum Jahr 2019 auch streng reglementiert. Nach dem 1999 geschlossenen Washingtoner Abkommen durften sie pro Jahr nicht mehr als 400 Tonnen auf den Markt bringen. „Da der Goldpreis (seitdem) beträchtlich gestiegen ist, sahen die beteiligten Organisationen eine Fortführung als nicht mehr notwendig an. Gerade Zentralbanken sind übrigens ein starker Nachfrager. So haben Russland und China ihre Bestände in den vergangenen 20 Jahren verfünffacht, freilich nur schrittweise, um hier wiederum die Preise nicht zu stark nach oben zu drücken“, erklärt Seiz.

 

Psychologie und Emotionen treiben den Preis

Neben Angebot und Nachfrage sind der Dollarkurs – aus Sicht von Nicht-Dollar-Besitzern –, Zinssätze, der Ölpreis, aber auch die Preise anderer Edelmetalle wie Silber und Platin weitere wichtige Einflussfaktoren. Durch die Aufgabe als bedeutsamer Wertspeicher spielt jedoch auch die Psychologie eine wichtige Rolle, selbst und gerade an den Rohstoffbörsen. Inflationsängste, Krisen, Katastrophen – ob real oder spekuliert – können die Kurse Achterbahn fahren lassen. „Genau dieselben Motive, Ängste und Gedanken hegen dabei übrigens Privatanleger, die erst vor Jahresfrist in Scharen zu den Goldhändlern liefen – und damit Preise und Aufgeld drastisch angehoben haben. Weniger real sind dabei die Kurssprünge durch Gold-Finanzderivate, wie Futures, Forwards, Optionen oder Swaps. Völlig losgelöst von der Realwirtschaft folgen sie eigenen Gesetzmäßigkeiten, beeinflussen dabei aber den jeweils aktuellen Preis für Gold, den sogenannten Spotmarkt“, so Harald Seiz von Karatbars.

Paradox findet er auch, dass ausgerechnet in manchen Finanz- und Währungskrisen der Goldpreis sank. So etwa bei der Lehman-Pleite 2008, der Zypernkrise 2013 und bei einem der Höhepunkte der Eurokrise in Griechenland 2015: „Hierfür waren vor allem die Zentralbanken verantwortlich, die in hohem Maße Gold auf den Markt warfen. Sie wollten so den Goldpreis im Zaum halten, damit Gold nicht allzu sehr als starke Währungsalternative auftrumpfen konnte.“ Ähnliches konnte man auch beim dramatischen Kursabsturz zum Anfang der Corona-Krise im März 2020 vermuten. Um 250 Dollar pro Feinunze fiel die Kurve innerhalb von elf Tagen steil nach unten. Doch dafür gab es auch andere plausible Erklärungen: Viele Unternehmen, Organisationen und Geschäftsleute hatten massive Liquiditätsprobleme. Sie brauchten rasch Cash und warfen ihr Gold auf den Markt, in riesigen Mengen. Der Kursrutsch war jedoch nur kurzfristiger Natur. Kurz darauf übertraf Gold den vorherigen Stand und erreichte in Euro sogar einen neuen Rekord. „So schlimm der Anlass auch ist. Das Allzeithoch reflektiert eben auch, wie drastisch die Wirtschaftskrise und weltweiten Verwerfungen sind – und wie sehr man Gold vertraut“, so Seiz abschließend.

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